The U 47 is back

„Die Musik wird vor dem Mikrofon gemacht“ – diese goldene Regel hat bis heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. Es ist und bleibt deshalb auch das klangbestimmende Element jeder Aufnahme. Die echte Herausforderung von heute besteht in der richtigen Wahl des Mikrofons. Sie entscheidet, ob wir „die Musik vor dem Mikrofon“ bereits während der Aufnahme maßgeblich beeinflussen, oder ob wir diese Entscheidung stärker in die anschließende Postproduktion verlagern.

Interessanterweise erleben wir im heutigen Zeitalter der Digitalisierung, insbesondere in vielen künstlerischen Bereichen, eine Renaissance der analogen Welt. In der Fotografie ist es zum Beispiel das Polaroid-Foto, das ein ungeahntes Comeback erfährt. In der Musikproduktion ist es der Retrosound der 60er und 70er, der gerade auch von jungen Musikern wiederentdeckt wird. Warum eigentlich?

Der spezielle Look und die eigenständige Ästhetik des alten Polaroid-Fotos haben einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert wie die typischen Sounds dieser Zeit. Beides wirkt aus heutiger Sicht freier, experimenteller und oft authentischer. Technisch nicht immer perfekt, transportieren sie aber auf besondere Art und Weise eine Leidenschaft. Dies macht die Ergebnisse einzigartig, weniger beliebig und eben nicht so schnell austauschbar wie dies in der heutigen digitalen Welt möglich ist. Vielleicht ist es genau die Rückbesinnung auf diese künstlerischen Werte der 60er und 70er, die die Antwort auf unsere Frage gibt. Die Klangfarben aus diesen Pioniertagen eröffnen heute in Kombination mit studiotechnischen Geräten neuester Generation experimentelle Möglichkeiten und Freiheiten für eine neue Evolution in der Klanggestaltung.

Ein wichtiger Zeitzeuge dieser Epoche ist das U 47 fet. Als Geheimwaffe der experimentierfreudigen Tonmeister war es nicht nur ein Topmikrofon für Solisten, sondern prägte auch entscheidend die Räumlichkeit des Klangs und die Tiefenstaffelung unzähliger Produktionen. Durch eine bis dahin unerreicht gute Verarbeitung extrem hoher Schalldrücke erlaubte es auch die direkte Abnahme von lauten Gitarren-, Bass-Verstärkern und Kickdrums. In Kombination mit dem Sound der Kapsel seines berühmten Röhrenvorgängers wurde es damit Bestandteil vieler legendärer Aufnahmen dieser Zeit. Genau diese neu entdeckte Vielseitigkeit war dabei eng mit dem U 47 fet und seinen Eigenschaften verbunden.

Das U 47 fet‚ Made by Neumann.Berlin, ist nun zurück!

Viele Anstrengungen richten sich heute darauf, historische Arbeitswerkzeuge zu kopieren bzw. sie an die Klangsignatur ihrer Vorbilder anzulehnen. Die Rückkehr eines Originals, wie die des U 47 fet, ist dabei wie die Rückkehr eines Zeitzeugen, der sich anschickt, dem Sound der 2000er einen zusätzlichen, unverwechselbaren Charakter zu geben. Der magische Klang der späten 60er und 70er und darüber hinaus rückt damit in greifbare Nähe.

Ob AC/DC, Kate Bush oder Bruce Springsteen, etwas später auch R.E.M, die Pretenders, a-ha, die Dire Straits und Chris Rea, aber auch Michael Bublé und viele andere - die Liste renommierter Künstler, die mit dem Sound des U 47 fet musikalische Meisterwerke geschaffen haben, darf jetzt noch länger werden ...

Statements

Bruce Swedien (r.) with Wolfgang Fraissinet (President of Neumann)

Zu einem überzeugten Anhänger des U 47 fet gehört seit Jahrzehnten der legendäre Recording-Engineer und Produzent Bruce Swedien. Eines der zahlreichen Highlights seiner Karriere ist die Aufnahme und Mischung des Thriller-Albums mit Michael Jackson im Jahr 1982. Duke Ellington, Quincy Jones, Natalie Cole, Diana Ross, Donna Summer und Barbra Streisand sind nur einige weitere Stars, mit denen er zusammengearbeitet hat. Insgesamt 13 Mal wurde Bruce Swedien für einen Grammy nominiert, fünf Mal wurde er mit ihm ausgezeichnet.

In seinem Buch "Make Mine Music" sagt er über das U 47 fet: "My personal favorite of this series (Neumann fet 80) is the U 47 FET. I have two U 47 FETs, very close in sequence numbers, that sound simply fabulous! I absolutely treasure these lovely mikes."

Im Internet-Forum des Music Player Networks im Jahr 2005 schrieb er: "The U-47 fet is one of the best sounding Neumann condenser mikes! It is vastly underrated by the industry! I absolutely love mine" and "The U-47 fet is a wonderful vocal mike! A nice and very useful amount of proximity effect. Great for thin voices. The great thing about using the U47 fet on acoustic guitar is also the proximity effect on some guitars ..."

Während der 137. AES Convention in Los Angeles im Oktober 2014, war Bruce Swedien anlässlich des U 47 fet-Relaunches Gast am Neumann-Stand. Passend zum Erscheinungsjahr des Thriller-Albums bekam er von Neumann-Geschäftsführer Wolfgang Fraissinet ein persönliches Exemplar aus der neu gestarteten Fertigung mit der Seriennummer 82 überreicht. Der hocherfreute Bruce Swedien empfahl den anwesenden Pressevertretern, sich "Smile" von Michael Jackson mit den Streichern des New York Philharmonic anzuhören, um Michaels Stimme einmal mit dem U 47 fet zu hören.